Sprechstunde · Folge 12

Braucht es noch Entwickler? Pirates & Architects mit Thomas Marbella

Thomas Marbella entwickelt seit 20 Jahren Software und führt die Agentur One Code. Mit Paul spricht er über die Frage, die ihn fast täglich beschäftigt: Welche Daseinsberechtigung haben Entwickler noch, wenn KI die Lücke zum Software-Engineering schließt?

Thomas Marbella ist seit 20 Jahren Entwickler, Geschäftsführer der Agentur One Code (rund 200 Projekte, Kunden wie Spotify, Porsche und Visa) und Autor von "Code to Cashflow". Er beschäftigt sich fast täglich mit einer Frage: Wie viel Daseinsberechtigung hat ein Entwickler noch, wenn sich Anforderungen in Prosa beschreiben lassen und Agents den Rest erledigen?

Im Gespräch mit Paul wird klar, dass die Antwort keine einfache ist. Softwareentwicklung ist nicht mehr der Flaschenhals. In der Zeit, in der andere nach Scrum planen, hat ein kleines Team schon fünf Versionen geshippt. Gleichzeitig rutschen am Markt keine Juniors mehr nach, CTOs ersetzen halbe Teams durch Agents, und niemand weiß, wo die freigesetzten Leute landen.

Worüber wir sprechen

Zum Schluss die Frage, die vielleicht wichtiger wird als jede Tool-Diskussion: Was macht der Mensch, wenn alles, was am PC passiert, automatisierbar ist? Thomas' Wette liegt auf Soft Skills, sozialen Berufen und dem Luxus, am Ende den Verkäufer zu kaufen, nicht das Produkt.

In der Zeit, wo andere planen, hast du schon wieder umgesetzt.

Thomas Marbella

Kapitel

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Key Takeaways

  • Softwareentwicklung ist nicht mehr der Flaschenhals. Wer eine Anforderung sauber beschreiben kann, hat das Ergebnis nach ein paar Stunden Agent-Arbeit.
  • Die KI liefert rund 90 Prozent brauchbaren Code. Die letzten 10 Prozent rettest du, indem du Architektur und Best Practices als Skeleton vorgibst, statt hinterher tausend Zeilen zu reviewen.
  • Pirates bauen schnell den Product-Market-Fit, Architects kommen punktuell für Qualität, Security und Wartbarkeit. Ein festes Entwicklerteam brauchst du dafür immer seltener.
  • Juniors rutschen am Markt gerade nicht nach. In 10 bis 15 Jahren fehlt die Senior-Generation, die heute niemand ausbildet.
  • Automatisieren scheitert selten an der KI, sondern an fehlenden Schnittstellen. Wo es eine API gäbe, hättest du es auch ohne KI automatisiert.

Tools aus der Folge

  • Claude Code — Das Tool, mit dem Thomas' Team arbeitet; richtig schnell wurden sie mit dem Sprung auf das Opus-Modell.
  • Claude Skills — Sein Team hatte intern eine modulare Claude-Erweiterung gebaut, zwei Tage vor dem geplanten LinkedIn-Launch machte Anthropic dasselbe offiziell.
  • Claude Opus — Der Modellsprung, der bei One Code den größten Unterschied in der Code-Qualität gebracht hat.
  • OpenAI Codex — Nutzen sie neben Claude noch punktuell.
  • GitHub Copilot — Früher im Einsatz, inzwischen von den agentischen Tools abgelöst.
  • ChatGPT — Thomas' täglicher Google-Ersatz: Kontext mitgeben, dumme Fragen stellen, punktgenau lernen.
  • Kimi — Chinesisches Modell, das er als aufkommende günstige Konkurrenz zu den US-Anbietern beobachtet.
  • n8n — Der Automatisierungs-Baukasten, mit dem andere Content-Flows bauen; Thomas nutzt KI im Content bewusst nur punktuell.

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